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Martin Mai Photography
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Georgswall

Wie viele andere europäische Städte, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, besaß auch Aurich einen Stadtwall, der die Entwicklung und bauliche Ausrichtung der Altstadt maßgeblich beeinflusst hat. Aurich ist, wie die meisten dieser Städte, in den vergangenen Jahrhunderten allerdings deutlich über seinen alten Stadtkern hinausgewachsen und hält inzwischen auch eine topographische Verteidigungsanlage nicht mehr für notwendig. Um dennoch an das historische Erbe zu erinnern und vor allem um die städtebauliche Logik der Altstadt auch heute noch nachvollziehbar zu machen, sollte der Wall inklusive des seit Ende des 19. Jahrhunderts zugeschütteten ehemaligen Hafens wieder landschaftsarchitektonisch erlebbar gemacht werden. Das Büro POLA entwarf zu diesem Zweck einen ca. 400 m langen und 45 m breiten Grünstreifen, der in Ost-West- Ausrichtung den südlichen Abschluss der Altstadt bildet und an seinem westlichen Entree die Konturen des alten Hafens mit vier Wasserbecken hervorhebt. Der neue Georgswall setzt sich aus einer die ganze Länge des Planungsgebiets überspannenden Rasenfläche, einem 310 m langen Spiel- und Bewegungsband sowie einem skulpturalen Sitzelement – der Georgsbank – als nördlichen Abschluss zusammen. Am Schnittpunkt der Wallanlage mit der Nord-Süd- Achse zwischen Markt und Rathaus wird die Grünfläche mittig von einem gepflasterten Platz mit einem Wasserspiel geteilt. Die vier in den heutigen Bürgermeister-Müller-Platz eingelassenen Wasserbecken ermöglichen es BesucherInnen am Westende des Walls durch den alten Hafen zu spazieren und umringen ihn mit dem überdimensionalen plattdeutschen Schriftzug „Oll Haven Auerk“, dessen Buchstaben knapp unter dem Wasserspiegel liegen. Mit feinfühligen Zitaten des historischen Stadtbildes durch zeitgemäße freiraumplanerische Mittel wurde Aurich so ein wichtiger Teil seiner geschichtlichen Identität zurückgegeben und ein heute viel genutzter Begegnungsund Erholungsraum geschaffen.
Baujahr
2014
Standort
Aurich
Deutschland

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