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Christo Libuda
© Christo Libuda
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Spittelmarkt Berlin

Bei dem Spittelmarkt in Berlin Mitte handelt es sich zweifellos um einen urbanen Raum, der für Stadtplaner einige Schwierigkeiten bereit hält. Die Gründe hierfür liegen in seiner bewegten Entwicklungsgeschichte: Nach der vollständigen Zerstörung der ursprünglich dichten Bebauung im Zweiten Weltkrieg wurde das zu Ostberlin zugehörige Gebiet durch die achtspurige Leipziger Straße und Hochhausbebauung geprägt. Die auch aktuell noch komplexe Verkehrssituation war mitverantwortlich dafür, dass die nach dem Mauerfall geplante Umgestaltung des Areals bis heute nicht umgesetzt wurde. Um den Standort dennoch auch in absehbarer Zukunft aufwerten zu können und dem Spittelmarkt wieder Leben und Identität zu verleihen, entschied 2010 die Berliner Senatsverwaltung, eine temporäre Lösung anzustreben, die mit überschaubarem Aufwand die Aufenthaltsqualität des Ortes anzuheben vermag. Die beauftragten Landschaftsarchitekten Stefan Bernard und Philipp Sattler führten einen intensiven Dialog mit den Anwohnern und Anliegern, wodurch eine große Akzeptanz für das Projekt erreicht werden konnte. In den Gesprächen wurden zwei essentielle Wünsche deutlich: Zum einen sollte zugunsten des Vogel- und Lärmschutzes möglichst viel Grün erhalten werden, zum anderen wurde das Bedürfnis nach bequemen und altersgerechten Sitzmöglichkeiten geäußert. Die Planer verzichteten im Einklang mit den Erkenntnissen aus dem Bürgerdialog auf eine allzu avantgardistische Gestaltung und setzten auf die klassische Parkbank als „Archetyp des Ruhens“. Der erste Bauabschnitt sah 33 frischgrüne Holzbänke in differenzierten Anordnungen vor, die den heterogenen Stadtraum leitmotivisch durchziehen und nun auch an bisher unwirtlichen Plätzen zum Verweilen einladen. Im zweiten Bauabschnitt wurden auch die nördlichen Teile des zerstückelten Spittelmarkts an das Gestaltungskonzept angeschlossen. Das Spiel mit unterschiedlichen Anordnungen der Sitzmöbel wurde weitergeführt und durch frischgrüne Hocker sowie Hockerbänke ergänzt. Darüber hinaus wurden dem Wunsch der Bürger entsprechend punktuelle Blumenpflanzungen integriert. Dafür wurden Schäden in der bestehenden Asphaltfläche kreisförmig ausgeschnitten und durch Astilben-Pflanzungen ersetzt. Als Frühblüher sind Tulpen und Krokusse vertreten, welche die aufgewerteten Grünflächen akzentuieren und Farbe in die urbane Kulisse bringen.
 © Stefan Bernard
© Stefan Bernard
Standort
Berlin
Deutschland

Stefan Bernard

Stefan Bernard Landschaftsarchitekten
Monumentenstraße 33-34
10829 Berlin
Deutschland

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